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Interview mit Benjamin Seifert: "Mein großes Ziel ist es mich für die Olympischen Spiele in Vancouver zu qualifizieren."
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01.04.2009

Interview mit Benjamin Seifert: "Mein großes Ziel ist es mich für die Olympischen Spiele in Vancouver zu qualifizieren."

Info: Weitere Sportlerinterviews
Autor: Christoph Walter


Live-Wintersport stand heute der 27-jährige deutsche Langläufer Benjamin Seifert bereit, ein paar Interviewfragen zu beantworten. Der für die TSG Bau Hammerbrücke 1862 startende B-Kader-Athlet, der vor ein paar Tagen das 10km Freistilrennen der deutschen Meisterschaft gewann, will in der nächsten Saison voll angreifen, um die Teilnahme bei Olympia und Sprung in die Top20 der Tour de Ski zu erreichen. Im Interview blickt Benjamin Seifert auf die absolvierte Saison zurück und gibt auch einen Ausblick auf die neue Saison. Des Weiteren äußert sich der Gesamt-Zweite der COC/Alpencup-Wertung auch über das Thema Doping.

Wie kamen Sie zum Skilanglauf?


Zum Langlauf kam ich durch meinen Vater. Er ist selbst begeisterter Hobby-Skilangläufer und hat auch schon an Volksläufen wie dem Vasalauf oder dem Engadin-Skimarathon teilgenommen. So nahm er mich in meiner Kindheit ab zu und mit zum Langlaufen. Im Alter von 13 Jahren entschied ich mich dann statt Fußball zu spielen lieber etwas professioneller Skilanglauf zu betreiben. Von da an trainierte ich dann zunächst für 7 Jahre in Klingenthal und machte dort am Sportgymnasium auch mein Abitur. Seit 2001 trainiere ich nun am Olympiastützpunkt in Oberwiesenthal.

Im Dezember hatten Sie in Davos Ihren ersten WC-Einsatz der Saison. Sie erreichten über 15km klassisch einen 44.Platz und sprachen danach davon, dass Ihnen die Höhe zu schaffen machte. Wie muss man sich das vorstellen?

Da die Strecken in Davos auf ca. 1600 Metern liegen ist es sehr schwer dort im Wettkampf zu laufen. Da in einer solchen Höhenlage weniger Sauerstoff in der Luft ist, als im „Flachland“ passiert es im Wettkampf dann auch eher, dass man die Muskulatur nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen kann und es damit zu einem Leistungsabfall kommt. So war es bei mir an diesem Tag auch. Normalerweise bereitet man sich auf Wettkämpfe in der Höhe auch mit einem Trainingslager in etwa der gleichen Höhenlage vor, um eine Anpassung des Körpers zu erreichen. Aber auch das Material war an diesem Tag bei mir nicht so gut, um eine Platzierung in den Weltcup-Punkten zu erreichen.

In Otepää und in Val di Dentro bekamen Sie noch weitere Chancen sich im WC zu zeigen, was Ihnen in Otepää mit einem 19.Platz auch eindrucksvoll gelang. Wie fühlten Sie sich danach?

Der Einsatz in Otepää war ursprünglich nicht geplant und kam zustande, da sich René Sommerfeldt verletzte und ich dafür seinen Startplatz übernahm. So erfuhr ich auch erst 3 Tage vor dem Wettkampf von meinem Start. Der 19. Platz war dann natürlich ein sehr gutes Ergebnis und gab mir Motivation für die weiteren Wochen. Ich war nur etwas enttäuscht, das mir in diesem Rennen 6 s fehlten zu Platz 15 und damit zu einer Teilqualifikation für die WM in Liberec.

Sie gewannen dann in Oberhof das 15km-Rennen des Rennsteiglaufes, und fuhren mit großen Hoffnungen nach Val di Dentro. Warum reichte es dort nur zu einem 66.Platz?

Nach dem Weltcup in Otepää legte ich dann eine 2-wöchige Trainingsphase ein um mich auf den Weltcup in Valdidentro vorzubereiten. Dabei bestritt ich zum Abschluss auch den Rennsteiglauf und war nach dem Sieg recht optimistisch für den Weltcup. In Valdidentro kamen dann aber an einem Tagen einige Faktoren zusammen die zur Folge hatten das nur ein enttäuschender 66. Platz heraus kam. Zum einen hatte ich von der Tagesform her einen wirklich schlechten Tag erwischt und das macht sich bei der hohen Leistungsdichte im Weltcup schon enorm bemerkbar. Zum anderen hatte ich wirklich sehr glatte Ski und verlor so an den Anstiegen viel Zeit. Auf einer so anspruchsvollen Strecke macht sich das natürlich besonders bemerkbar.

Im Endklassement des Continentalcup/Alpencup erreichten Sie einen 5.Platz. Wie sind Sie damit zufrieden?

Die Konstellation vor der Saison war in diesem Jahr so, das wir im Weltcup nur 5 Startplätze hatten und diese mit Teichmann, Filbrich, Angerer, Sommerfeldt und Göring auch in den meisten Rennen besetzt wurden. Dazu qualifizierte sich noch Tom Reichelt mit einem 4. Platz zum Auftakt-Weltcup in Gällivare für die WM und das Weltcup-Team.
Für mich hatte dies zur Konsequenz, dass ich mich zunächst voll und ganz auf den Continentalcup konzentrieren musste und nur auf einige wenige Weltcup-Starts hoffen konnte. Als Ziel hatte ich mir deshalb natürlich den Gesamtsieg gesetzt um in der kommenden Saison das persönliche Startrecht im Weltcup zu haben.
Leider hatte ich nach Weihnachten einen krankheitsbedingten Ausfall und konnte dadurch in 3 Rennen mit sehr enttäuschenden Platzierung um Platz 20 kaum Punkte sammeln und auch durch den Weltcup in Valdidentro fehlten mir 2 Continentalcup-Rennen. So konnte ich am Ende nicht mehr um den Gesamtsieg mitkämpfen. Am Ende war ich deshalb mit dem 5. Platz auch nicht zufrieden sein, auch wenn ich mich als bester deutscher Athlet im Continentalcup platzieren konnte.



Morgen: Interview mit dem Deutschen Langlauf Meister im Sprint, Daniel Heun




In der letzten Woche wurden Sie Deutscher Meister im 10 km Einzel und ließen auch Tobias Angerer hinter sich. Zeigten Sie dort Ihr wahres Leistungsvermögen? Und macht der DM-Titel Hoffnung auf mehr?

Der Titel über 15 km Freistil kam für mich und viele andere natürlich etwas überraschend. Ich wusste zwar, dass ich in den letzten Wochen in einer guten Form war, aber auch Tobi Angerer lief in der zweiten Saisonhälfte bei der WM in Liberec und den Weltcups in Topform.
Aber ich hatte einen wirklich super Tag erwischt und auch tolles Material und so reichte es an diesem Tag für mich zum Titel.
Ich denke schon das die Leistung meinem wahren Leistungsvermögen entsprach, was ich auch ab und zu in dieser Saison unter Beweis stellen konnte, wie z.B. beim 19. Platz in Otepää oder dem Continentalcup-Sieg in Campra. Aber insgesamt gesehen konnte ich dieses Leistungsvermögen über die gesamte Saison gesehen zu selten abrufen.
Der Titel war aber für mich ein schöner Abschluss der Saison und hat mir große Motivation für die bevorstehende Vorbereitung auf die Olympiasaison gegeben.

Wie sehen Ihre Ziele für die olympische Saison aus?

Mein großes Ziel ist es mich für die Olympischen Spiele in Vancouver zu qualifizieren. Um dies zu schaffen muss ich im Weltcup im nächsten Jahr 1x unter die besten 8 oder 2x unter die Top 15 laufen.

Sie bestritten schon zweimal die Tour de Ski. Können Sie uns diese Tortur beschreiben?

Die Tour de Ski ist eine neue, sehr spannende, aber auch extrem harte Wettkampfform. Dabei werden innerhalb von 9 Tagen 7 Wettkämpfe in 3 verschiedenen Ländern ausgetragen.
Bei den Wettkämpfen werden sowohl Sprints, als auch Distanz-Rennen bis 20 km Länge gelaufen. Die Zeiten werden dann addiert und in manchen Rennen kann man auch Bonus-Sekunden sammeln. Man muss jeden Wettkampf beenden um auch bei der nächsten Etappe wieder starten zu dürfen und um am Ende die Weltcup-Punkte zu kassieren. Das wirklich schwierige an der Tour de Ski ist es, sich von Tag zu Tag so gut und schnell zu erholen, das man in keinem Wettkampf einen wirklichen Durchhänger hat.
Als zusätzlicher Stress kommen natürlich noch die langen Autofahrten zwischen den Etappen-Orten hinzu.
Als krönender Abschluss der Tour de Ski steht dann der Final-Climb auf dem Programm, bei dem man sich auf knapp 4 km Länge den Abfahrtshang zur Alpe Cermis hinauf quält und dabei 450 Höhenmeter überwinden muss.

In der Tour de Ski Gesamtwertung war der 37.Platz im Endklassement Ihr bisher bestes Resultat. Durch die Freistilrennen blieb Ihnen meist eine bessere Platzierung verwehrt. Den DM-Titel haben Sie ja jetzt im Skating gewonnen, war das der Durchbruch im Freistil? Und wie sehen Ihre Ziele für weitere Tour de Ski Teilnahmen aus?

Bei meiner ersten Tour de Ski wurde ich 37. Allerdings hatte ich in diesem Zeitraum keine besonders gute Form und verlor vor allem in den Freistil-Rennen zuviel Zeit um in der Gesamtwertung weiter nach vorn zu kommen. Bei meiner 2. Tour de Ski war ich zwar in einer recht guten Form, hatte aber in Val di Fiemme im 20 km klassisch Rennen bei schwierigen Bedingungen den falschen Ski ausgewählt und verlor so auf einer Etappe mehr als 6 Minuten. So blieb mir auch da eine bessere Platzierung verwährt.
Den Titel bei der Deutschen Meisterschaft habe ich zwar im Freistil gewonnen, dennoch darf man denke ich dieses Rennen nicht überbewerten und ich weiß, das ich weiter hart daran arbeiten muss, mich im Skating zu verbessern.
Natürlich möchte ich gern im kommenden Winter wieder bei der Tour de Ski dabei sein und mich auch unter den Top 20 in der Gesamtwertung platzieren, aber oberste Priorität hat natürlich das große Ziel Olympia.

Wie sehen die nächsten Wochen bei Ihnen aus?

Die nächsten Wochen werde ich nun nutzen um mich von der langen und harten Saison zu erholen. Ich werde etwas Urlaub machen und einfach versuchen auch vom Kopf her mal abzuschalten, um dann gut erholt Anfang Mai wieder in die Vorbereitung für die Olympia-Saison zu starten.

Wie verläuft Ihre kommende Saisonvorbereitung?

Wie die Saisonvorbereitung genau aussieht kann ich erst in einigen Wochen sagen, da nun erst die Gespräche des DSV über die Kadereinteilung, Lehrgangsplanung und Trainingsgruppen-Einteilung stattfinden. Ich gehe aber davon aus, dass ich zum größten Teil am Stützpunkt in Oberwiesenthal trainiere und die Lehrgänge ähnlich geplant sind wie in den letzten Jahren.

Was machen Sie, wenn Sie vom Langlauf abschalten möchten?

Wann ich abschalten möchte, höre ich gerne Musik, lese, unternehme etwas mit meiner Freundin bzw. meinen Freunden oder schlafe einfach nur.

Beim COC-Finale in Metabief in Frankreich gewann der Dopingsünder Sergey Shiriaev die 2.Etappe. Was dachten Sie dabei? Und wie stehen Sie zum Thema Doping?

Zu Sergey Shiriaev kann ich nur soviel sagen, er hat seine zweijährige Sperre abgesessen und ist nun wieder startberechtigt. Solange er nicht wieder des Dopings überführt wird, gilt eben die Unschuldsvermutung und man kann und darf einem Athleten auch nichts unterstellen. Aber gerade solche Sportler die schon einmal gedopt haben werden natürlich im Athletenkreis sehr kritisch beobachtet.
Ansonsten bin ich der Meinung es muss hart gegen das Doping angegangen werden. Ich bin für einen absolut sauberen Sport und hoffe das jeder der betrügt auch überführt und bestraft wird.
Wir Athleten müssen detailliert für jeden einzelnen Tag angeben wo wir uns aufhalten und sind ständig für unangekündigte Doping-Kontrollen auffindbar. Ich denke viel mehr können wir als Athleten nicht tun um zu einem sauberen Sport beizutragen.

Live-Wintersport bedankt sich ganz herzlich bei Benjamin Seifert, dass er sich die Zeit nahm und uns ein Interview gab. Natürlich wünschen wir ihm für die nächste Saison viel Erfolg, Gesundheit und Glück.

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