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Evan Lysacek ist Olympiasieger im Eiskunstlauf – Plushenkos Plan geht nicht auf
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19.02.2010

Evan Lysacek ist Olympiasieger im Eiskunstlauf – Plushenkos Plan geht nicht auf

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Autor: Heike Oberfeuchtner (H.O.)
Bericht: Eiskunstlauf-Star Plushenko nach Kurzprogramm knapp in Führung - minimale Abstände unter den ersten drei
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Vancouver, 19.02.10 - Es wäre wohl übertrieben, von einer „Sensation“ zu sprechen – aber eine Überraschung ist es allemal. Bei den Winterspielen in Vancouver hat der Eiskunstläufer Evan Lysacek seinen Namen zur ewigen Liste der Olympiasieger hinzugefügt und damit Superstar Evgeni Plushenko die Krönung seines Comebacks verdorben. Der 24-jährige US-Amerikaner lief die leicht besser bewertete Kür und machte so seinen nur minimalen Rückstand aus dem Kurzprogramm wett. Sein russischer Kontrahent musste sich, obwohl auch er ohne groben Fehler blieb, knapp dahinter mit Silber abfinden. Der Japaner Daisuke Takahashi verteidigte seinen Bronze-Rang, zeigte aber nur die fünftbeste Kür, während der Schweizer Stephane Lambiel zwar das bessere Programm ablieferte, mit Rang vier letztlich aber ohne Medaille blieb.

Lysacek legt grandios vor
Ausgelassene, zugleich etwas ungläubige Freude auf der einen und fassungsloses Entsetzen auf der anderen Seite: Die Kür-Entscheidung bei den Männern ließ die emotionalen Wellen hochschlagen und sorgte für viel Diskussionsstoff – freilich nichts Neues in der Geschichte des Eiskunstlaufs. Der amtierende Weltmeister Evan Lysacek eröffnete die letzte Startgruppe mit einer tadellosen Leistung, in der er alles abrief, was er beherrscht, aber keine unnötigen Risiken einging. Keinen vierfachen, dafür aber acht saubere dreifache Sprünge zauberte der hoch aufgeschossene US-Amerikaner aufs Eis; lediglich bei der Dreifachaxel-Doppeltoeloop-Kombination war ein kleiner Wackler zu bemerken. Eine gelungene Kombination dreier verschiedener Sprünge platzierte er sehr effektvoll im passenden Moment seiner dramatischen Kür-Musik, der „Scheherazade“ von Rimsky-Korsakow. Überhaupt wusste der 24-Jährige, der in Turin noch knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt war, das Publikum mit seiner leidenschaftlichen, mitreißenden Interpretation zu begeistern – und ebenso die Jury, die Lysacek mit einem persönlichen Kür-Bestwert belohnte, sodass am Ende insgesamt 257.67 Punkte zu Buche standen.

Plushenko fehlerfrei, doch blass. Statt Gold „nur“ Silber
Was das wert sein sollte, zeigte sich aber erst am Ende des Abends, denn der sicherlich größte Favorit auf den Titel, der mehrfache Europa- und Weltmeister Evgeni Plushenko, musste (oder durfte?) als Letzter aufs Eis. Auch der Russe blieb fehlerfrei – doch wiesen seine Sprünge, mit Ausnahme der spektakulären Vierfach-Dreifach-Kombination zu Beginn, kleine Unsauberkeiten auf. Überhaupt wirkte der Mann, den seine Fans „King on ice“ nennen, bei seinem „Tango Amore“ eher gehemmt, keineswegs so souverän und nicht so strahlend wie man das unzählige Male gesehen hatte, zuletzt bei der Europameisterschaft in Tallinn. Dennoch glaubte Plushenko auch nach seiner Vorstellung noch fest an seine zweite olympische Goldmedaille nach Turin vor vier Jahren – und war starr vor Entsetzen, als er bemerkte, dass ihm die Krönung seines Comebacks, das er allein um der Winterspiele willen begonnen hatte, verwehrt bleiben sollte. Was den chinesischen Paarläufern Shen/Zhao vor ein paar Tagen gelungen war, nämlich nach einer längeren verletzungsbedingten Auszeit den Olympiasieg perfekt zu machen, das verhinderte im Falle Plushenkos der wahre „König“ des Abends: Evan Lysacek, der das erste Olympia-Gold im Männereiskunstlauf für die USA seit 22 Jahren holte und eine 18-jährige Regentschaft der russischen Athleten beendete. Auch die Tatsache, dass Plushenko nun der zweiterfolgreichste Eiskunstläufer bei Olympia ist – da er vor acht Jahren bereits einmal Silber gewann -, dürfte für den 27-jährigen St. Petersburger lediglich ein schwacher Trost gewesen sein.

Knappe Entscheidung – vielleicht richtungsweisend
Dabei war die Entscheidung denkbar knapp, was sich allerdings schon durch die minimalen Abstände nach dem Kurzprogramm andeutete. 256.36 Punkte, also 1,31 Punkte weniger als Lysacek, hatte der Zweiplatzierte am Ende auf der Habenseite. Nachdem im Vorfeld so viel über den Sinn und Unsinn von Vierfachsprüngen gestritten worden war, zeigte sich in der Kür, dass es tatsächlich nicht unbedingt eines Vierfachen bedarf, um Olympiasieger zu werden, sondern dass es sich lohnt, auch auf die saubere Ausführung der Dreifachen und vor allem auf anspruchsvolle Schrittpassagen und Pirouetten zu achten. In allen diesen Dingen hatte der Amerikaner leicht die Nase vorne und das gab schließlich den Ausschlag. Erstaunlicherweise schenkten sich die beiden Kontrahenten bei den Programmkomponenten gar nichts: Aufs Hundertstel genau verbuchten sie jeweils denselben Wert.

Takahashi holt Bronze. Lambiel im „A-Wert“ geschlagen
In den Kampf um Gold nicht eingreifen konnte der japanische Meister Daisuke Takahashi, obwohl er nach dem Kurzprogramm mit minimalem Rückstand auf Platz drei gelegen war. Der Vierfachtoeloop, der eigentlich nur ein gestürzter dreifacher war, wurde dem 23-Jährigen zum Verhängnis. Dafür zeigte er packende Schrittkombinationen und verströmte in seiner Kür zu Filmmusik aus La Strada eine bemerkenswerte Präsenz auf dem Eis – was die Preisrichter zur Vergabe der deutlich höchsten Programmkomponenten des Abends veranlasste, wiewohl Takahashi nur der fünftbeste Kür-Wert zugesprochen wurde. Der WM-Vize von 2007 war am Ende mit 247.23 Punkten und der Bronzemedaille überglücklich, denn vor vier Jahren hatte er lediglich auf Rang acht abgeschnitten, und außerdem war ein solcher Erfolg nach seiner Knieverletzung, die ihn die gesamte vergangene Saison gekostet hatte, kaum zu erwarten gewesen. Takahashi ist zudem der erste japanische Medaillengewinner in der olympischen Eiskunstlaufgeschichte.
Hohe Programmkomponenten – höhere als die der Gold- und Silbermedaillengewinner – zeichneten auch die Kür des Schweizer Rekordmeister Stephane Lambiel aus, doch trotz der drittbesten Leistung und einer Verbesserung gegenüber dem Kurzprogramm reichte es mit 246.72 Punkten knapp nicht zu einer Medaille. Zu gering war der technische Inhalt, der sich aus allesamt verwackelten, unsicheren Sprüngen, u. a. zwei misslungenen Vierfachen, zusammensetzte, was auch den Gesamteindruck der Performance zu Verdis „La Traviata“ trübte. Dennoch kann der 24-Jährige, der teils wegen physischer, teils wegen psychischer Probleme eine Saison pausiert hatte, von einem gelungenen Comeback reden, ist er von seinem zweiten Rang von vor vier Jahren doch nicht allzu weit entfernt.

Die Top 10. Viele große Namen auf den hinteren Rängen
Die gastgebenden Kanadier durften sich über Platz fünf von Patrick Chan freuen, der noch drei Plätze gutmachte, vor allem da der Japaner Nobunari Oda von Rang vier auf sieben abstürzte. Er wurde dem Reglement entsprechend von der Jury mit zwei Punkten Abzug bestraft, als ihm während seiner Darbietung die Schnürung der Schuhe aufging. Johnny Weir blieb unverändert auf Rang sechs und wurde zweitbester US-Amerikaner; seinem Landsmann, dem nationalen Meister Jeremy Abbott, gelang noch eine sensationelle Verbesserung von Rang 15 auf 9. Auch die Japaner brachten mit Takahiko Kozuka auf 8 noch einen dritten Läufer unter die besten zehn. Der 19-jährige tschechische Meister Michal Brezina und der erst 16-jährige Kasache Denis Ten fuhren mit Rang 10 bzw. 11 bei ihrer Olympia-Premiere ein beachtliches Ergebnis ein. Unmittelbar dahinter platzierte sich der beste Franzose, der wider Erwarten nicht Brian Joubert, sondern Florent Amodio heißt und schon vor einigen Monaten überraschend Landesmeister geworden war. Der ehemalige Welt- und Europameister hingegen konnte sich zwar in der Kür von Rang 18 auf 16 noch leicht verbessern, doch ändert das nichts an der Tatsache, dass der als Titelaspirant gestartete Joubert bei seinen dritten olympische Spielen das schlechteste Resultat einfährt – eine Niederlage, für die er im Übrigen private Probleme und eine falsche mentale Einstellung verantwortlich machte. Unter ihren Möglichkeiten blieben auch der Belgier Kevin van der Perren (17.), der Italiener Samuel Contesti (18.) und der Tscheche Tomas Verner (19.).

Österreich vor Deutschland
Der mehrfache deutsche Meister Stefan Lindemann verabschiedete sich von der internationalen Bühne – an der WM im März wird statt seiner Peter Liebers teilnehmen – mit einem 22. Platz, also dem vor-vorletzten unter den Kür-Teilnehmern. Der Pechvogel hatte sich auf der Anfahrt zum Pacific Coliseum einen Hexenschuss zugezogen und war daher so stark beeinträchtigt, dass er sich durch seine Kür (Musik: „Hancock“ von J. Powell) mehr kämpfte als zu eiszulaufen. Da es nach seiner langen Verletzungszeit für den 29-Jährigen aber ein Erfolg war, überhaupt noch einmal bei Olympia starten zu können, zeigte Lindemann sich anschließend mit seinem Schicksal versöhnt. So kam der österreichische Meister Viktor Pfeifer zur unverhofften Ehre, in Vancouver mit Rang 21 besser abzuschneiden als der deutsche WM-Medaillengewinner von 2004.

Nach zwei Medaillenentscheidungen sind nun die Eistänzer an der Reihe. Wie immer beginnen sie mit dem Pflichttanz, in diesem Fall dem Tango Romantica, und zwar in der kommenden Nacht um 1.45 Uhr, d. i. 16.45 Uhr Ortszeit.

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