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Skeleton Maya Pedersen: Die Grösste |
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17.02.2006 | ||
Maya Pedersen: Die GrössteAutor: Daniel SchlatterEs muss so um 1994 gewesen sein. Ich wusste damals noch nicht, dass es den Skeletonsport überhaupt gibt, zwei Jahre später war ich Sportchef dieser Disziplin im Schweizerischen Bob-, Schlittel- und Skeleton-Sportverband SBSV. Und Maya machte, so erzählt man immer wieder, damals ihre ersten Fahrten auf dem Skeleton in Igls. "Muffensausen" bis zum Abwinken soll sie gehabt haben und nur ihrem damaligen Freund zu liebe kopfvoran die Bahn runtergefahren sein. "Nie mehr", so werden ihre Worte nach der ersten Fahrt überliefert. Ein Jahr später wagte sie es doch wieder, mit nicht viel weniger Angst. Aber sie überwand sich immer wieder und liess nicht locker. Heute donnert sie ohne mit der Wimper zu zucken mit über 130 km/h auf dem Olympia Bobrun von St. Moritz durch die Sachs-Kurve, eine Geschwindigkeit, die auch ihren männlichen Kollegen Respekt abverlangt! Ich sehe vor mir noch das strahlende Gesicht von Maya, als wir zum ersten Mal in der Geschichte des Schweizer Skeletonsportes zu Beginn der Saison 1995/96 das Nationalteam mit einheitlichen Kleidern ausrüsten konnten. Stolz wie ein Maikäfer präsentierte sie sich in der Nationalmannschafts-Kluft, auch wenn die Kleider für sie etwas gar gross waren, denn für ihre bescheidenen 1 m 62 hätte es eine nicht lieferbare Grösse "extremly small" gebraucht! Damals waren die Damen international noch kein Thema, es gab nur einen Weltcup und eine Weltmeisterschaft für Herren. Erst für die Saison 1997/98 wurde der FIBT-Ladie's-Cup eingeführt, als Vorläufer für den Damenweltcup. Ich hatte als Sportchef auf die Saison 97/98 hin eine Auszeit genommen, begleitete aber das Team trotzdem als Helfer zum ersten Rennen nach La Plagne. Für die Mannschaft wurden buchstäblich in letzter Minute neue Rennanzüge geliefert und es stellte sich heraus, das der für Maya bestimmte Renndress für sie viel zu gross war. Er flatterte um Arme und Beine , dass es eine Freude war. Wir klebten für das Rennen den überflüssigen Stoff mittels silberfarbenem Klebeband so zusammen, dass es einigermassen nach aerodynamisch aussah. Ich bedaure heute, dass es von diesem "orangen Massanzug mit Silberbesatz" keine Bilder gibt! Und ......Maya gewann! Und setzte im folgenden Rennen in Winterberg noch einen drauf und stand Ende der Saison als Gesamtsiegerin des Ladies-Cup's fest! Eine Siegfahrerin war geboren! (Ich halte übrigens an meiner Meinung fest, dass Maya die erste Gesamtweltcupsiegerin der Geschichte ist, was kann sie dafür, dass man den Wettbewerb damals Ladie's-Cup nannte! Haarspalterei!)Vielleicht ist es eine kleine Randbemerkung wert, dass Maya eigentlich zum Finale dieses Ladie's-Cup's gar nicht hätte nach Calgary/CAN fahren können, weil dem Verband das Geld dazu fehlte. Ein Freund von mir ist damals eingesprungen und finanzierte die Reise. Heute ist er der Privatsponsor von Maya und –was noch viel wichtiger ist- seit Jahren mit dem Ehepaar Pedersen befreundet! Seither haben sich Erfolge an Erfolge gereiht. Bei vielen durfte ich sie bis 2000 als Mannschaftsführer begleiten, mich mit ihr freuen und hie und da auch mit ihr leiden. Zahlreiche Siege in Weltcuprennen –allein in dieser Saison vier Siege in sieben Rennen-, EM-Medaillen, der EM-Titel 2006, die Weltmeistertitel 2001 und 2005 und jetzt als Krönung der Olympia-Sieg! Während Maya die Erfolge der Vorjahre praktisch ohne in der Oeffentlichkeit wahrgenommen zu werden erzielte, wird ihr jetzt –und hoffentlich noch lange!- die verdiente Beachtung der Medien zuteil. Und dabei wird ein Wandel zur Zeit von vor 12 Jahren offensichtlich: aus der an sich zweifelnden Sportlerin ist eine selbstbewusste Frau geworden, die weiss, was sie will und was sie kann und trotzdem wohltuend bescheidend geblieben ist! Wir alle wissen, dass solche Erfolge nur möglich sind durch zielgerichtetes, jahrelanges Training. Was wir aber nur erahnen können ist was es bedeutet, Spitzensportlerin und gleichzeitig Mutter und Ehefrau zu sein und alles noch mit der täglichen Arbeit zu verbinden, weil es sich selbst eine Weltmeisterin im Skeleton nicht leisten kann, ihren Sport als Profi auszuüben. Auch dafür würde Maya eigentlich eine Goldmedaille gebühren! Die Skeleton Weltmeisterschaften 2007 finden in St. Moritz statt. Es ist zu hoffen, dass der Verband quasi als Honorierung ihrer Goldmedaille alles unternimmt, um es Maya möglich zu machen, mindestens diese Saison noch anzuhängen! Maya, geniess Deinen Erfolg, geniess Deine Familie, und: let's meet next season! |
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17.02.2006 | ||
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