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Interview mit Claudia Nystad: "In meiner sportlichen Karriere habe ich alles erreicht, was es überhaupt gibt"
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21.04.2011

Interview mit Claudia Nystad: "In meiner sportlichen Karriere habe ich alles erreicht, was es überhaupt gibt"

Info: Weitere Sportlerinterviews von LiVE-Wintersport.com
Autor: Johann Reinhardt


Für ein Interview stand uns im Rahmen des Leipzig Marathons am vergangenen Sonntag die ehemalige deutsche Langläuferin Claudia Nystad zu Verfügung. Sie gewann in ihrer Karriere bei den Olympischen Spielen 2002 in der Staffel sowie 2010 im Teamsprint die Goldmedaille und studiert nun Wirtschaftsinformatik in Leipzig. Dabei lernt sie das studentische Leben kennen, musste aber auch erst die Lernmethoden neu erarbeiten und sich vom Sport auf das Studium umstellen.

Nach der Saison 2009/10 haben Sie ihre Karriere beendet. Würden Sie uns noch einmal die Gründe für diesen Schritt aufzeigen?
In meiner sportlichen Karriere habe ich alles erreicht, was es überhaupt gibt. Einzig fehlte mir noch eine Bronzemedaille bei Olympischen Spielen, aber wenn man dafür Gold und Silber mehrmals bekommen hat, ist das trotzdem gut. Da ich eben im Prinzip alles erreicht habe und es auch nicht mehr zu steigern ging, gab es für mich als Frau im Leben auch noch andere wichtige Sachen. Ich hatte noch keine richtige Ausbildung und dann habe ich mich dazu entschlossen zu studieren. Ich hatte als Ziel noch etwas zu lernen, außerdem möchte ich später mal Kinder haben und da bin ich zu dem Entschluss gekommen, einfach den Schnitt zu machen.

Sie studieren nun hier in Leipzig Wirtschaftsinformatik. Wie schwer war der Wechsel vom Sport zum Studium?
Ich habe ihn mir wirklich schon sehr schwer vorgestellt, im Nachhinein war es etwas einfacher als gedacht, aber natürlich trotzdem immer noch ziemlich schwer. Ich habe 14 Jahre keine Schule gehabt und musste erst einmal meinen Körper und meinen Kopf daran gewöhnen, wie man richtig lernt. Ich musste mir die Lernmethoden erst wieder richtig aneignen.

Wie sind Sie auf die Wirtschaftsinformatik gekommen? Viele ehemalige Sportler arbeiten auch als Trainer oder im Fernsehen.
In Richtung Sport kenne ich mich in jeder Beziehung gut aus. Wintersport habe ich 15 Jahre lang gemacht und da muss ich nicht viel lernen. Was ich wissen wollte war der Rest: Das normale Wirtschaftsleben. Außerdem haben mich auch Computer schon immer interessiert und so wurde es dann Wirtschaftsinformatik. Ich bin hierher gekommen, weil ich wirklich etwas lernen möchte.

Wie sieht nun ihre Wochenplanung aus? Sie müssen schließlich auch noch abtrainieren...
Ich bin natürlich immer ziemlich lange an der Uni und habe da ziemlich viel Arbeit. Ich versuche jede Woche mehrere Male draußen zu laufen und das ist auch das Beste, was ich machen kann. Ich gehe so oft wie möglich hinaus und wenn dann mal Rennen wie hier in Leipzig in der Nähe sind, mache ich dann auch einfach mit. Das ist schönes Training mit vielen Leuten und besser als allein zu laufen.

Sind Sie beim Abtrainieren auch noch auf Rollern unterwegs?
Ich war das letzte Mal auf Inlinern unterwegs als schlechtes Wetter war. Aber das ist eine andere Bewegung als auf Rollski oder auf Ski, wobei ich das auch nur noch zum Spaß mache. Ich merke auch, dass ich den Antrieb zum Training nicht mehr habe. Die Rollski wurden eigentlich auch nur für das Training genutzt und da ich wirklich Spaß haben möchte, reduziere ich mich auch nur noch auf die Sportarten die Spaß machen.

Ist der Prozess des Abtrainierens schon beendet?
Es ist kein genauer Zeitraum festgeschrieben, es gibt keine genauen Studien darüber. Grob gesagt sind es zwei Jahre, sodass nun noch ein Jahr übrig bleibt. Aber mir macht der Sport Spaß und deswegen ist es für mich nicht weiter tragisch, ob es nun drei oder fünf Jahre sind, ich werde auch dann wahrscheinlich noch genauso viel laufen wie heute.

Für die deutschen Damen stand in der letzten Saison die WM in Oslo an. Von der personellen Dichte her wäre eine Fortsetzung ihrer Karriere nicht negativ gewesen…
Ich weiß aber auch nicht, ob ich hätte viel helfen können. Weil an sich waren sie ja nicht schlecht. Nicole hat unglaublich gute Rennen gemacht, aber auch die anderen Nationen wie Norwegen und Finnland haben neue Damen dazubekommen, die stark sind, und sich quasi neu gefestigt. Auch die deutschen Frauen werden sich wieder festigen, das ist eine Frage der Zeit und vielleicht gelingt es schon im nächsten Jahr.

Sind die erbrachten Leistungen von Marit Björgen und Justyna Kowalczyk ihrer Meinung nach legal, denn teilweise gab es schier unglaublich Zeitabstände zwischen ihnen und der Konkurrenz?
Ja, ich denke schon. Ich weiß, dass es im Weltcup ziemlich harte Kontrollen gibt. Man muss sich stündlich genau abmelden und daher denke ich nicht, dass die beiden etwas illegales machen. Es ist allerdings auch so, dass Langlauf natürlich ein Ausdauersport ist und umso länger man dabei ist, desto mehr Konstanz hat eine Athletin auch. Man wird eben nicht mit 21 weltklasse sein, sondern mit 27 noch viel besser sein. Die beiden sind auch schon lange dabei und haben die letzten Jahre richtig stark trainiert und da ist es klar, dass sich auch gewisse Zeitabstände ergeben.

Sie sind aber der Meinung, dass die deutschen Damen auf dem richtigen Weg sind, gerade auch Nicole Fessel oder Denise Herrmann?
Vor allem die Leistungen von Nicole waren sehr schön anzusehen und ich habe mich richtig gefreut. Es war also denke ich für mich der richtige Zeitpunkt zu gehen, weil ja auch neue Damen da sind. Sie müssen selbst keinen ersetzen, denn sie werden auch eigene Fußstapfen machen. Allerdings hat es mich doch beruhigt, dass auf jeden Fall jemand da ist.

Was waren die Beweggründe für ihren Start beim Halbmarathon in Leipzig?
Der Pressesprecher des Halbmarathons ist auch zufällig im Landessportbund, wir kennen uns gut. Ich habe ihm gesagt dass er mir bescheid sagen soll, wenn Läufe anstehen. Es war also meine Initiative, dass ich mitmachen will und seine Initiative, dass er mir Bescheid sagt.

Mit welchem Ziel sind Sie in den Halbmarathon gegangen? Eine gute Zeit oder einfach nur etwas Training?
Training nicht einmal, sondern nur Spaß. Im Rennen ist auch Lars Hänel aus meiner alten Trainingsgruppe in Oberwiesenthal mit gelaufen. Wir haben ewig nicht mehr zusammen trainiert und nun sind wir zusammen gelaufen. Er sah dies auch nicht mehr als Wettkampf an, sondern wollte einfach nur laufen.

Einige Athleten wollen nach ihrer Karriere immer noch einmal etwas besonderes machen, wie zum Beispiel einen Triathlon absolvieren. Haben auch Sie noch ähnliche Pläne?
Rein sportlich bin ich eigentlich ausgelastet von dem was ich gemacht habe. Vielleicht ergibt sich aber noch einmal so etwas wie die Fulda Challenge, als wir bei der Kälte in Kanada herumgereist sind. Das war noch einmal ein großer Anreiz und eine ganz schöne Erfahrung. In die Richtung kann ich mir vorstellen, dass ich noch einmal irgendwo dabei bin. Aber es ist nicht so, dass ich einen großen Traum, von dem was ich noch unbedingt machen muss, habe.

Wann stehen für Sie im Studium die nächsten Prüfungen an?
Wir haben immer am Ende des Semesters Prüfungen und hatten die letzten im Februar. Die nächsten Prüfungen sind im Juli und bis dahin muss ich noch einiges lernen.

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Claudia Nystad als Führende der Tour de Ski in Oberhof (© LiVE-Wintersport.com)
Claudia Nystad als Führende der Tour de Ski in Oberhof (© LiVE-Wintersport.com)

Claudia Nystad beim Einlaufen (© LiVE-Wintersport.com)
Claudia Nystad beim Einlaufen (© LiVE-Wintersport.com)

Claudia Nystad beim Sprint in Düsseldorf (© LiVE-Wintersport.com)
Claudia Nystad beim Sprint in Düsseldorf (© LiVE-Wintersport.com)


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